Große Erwartungen, kleine
Schritte - Quartiersmanager zu Problemen und
ersten Erfolgen


Quartiersmanagement am
Barnimplatz in Marzahn:
keine lokalen Ausbildungs-
angebote für die Jugend

Bettina Reimann In unserem Viertel leben überdurchschnittlich viele 10 bis 14Jährige, für die Freizeitangebote fehlen. Ein großes Problem ist auch das Defizit bei lokalen Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. In Marzahn wohnen rund 12 000 Spätaussiedler. Wir freuen uns, daß wir einen guten Zugang zu vielen von ihnen gefunden haben, denn diese Leute kommen, um zu bleiben – ein wichtiges Potential für das Gebiet.
Quartiers-Agentur Marzahn
Wörlitzer Straße 3A, 12689 Berlin,
Telefon 93 49 22 19

Reinhard Fischer Wir müssen sehr viel Zeit für die Aktivierung der Bewohner verwenden. Gleichzeitig sehe ich in diesem Bereich bisher den größten Erfolg: Nach einer Bewohnerumfrage kamen rund 50 Leute zu einem Treffen, mit Ideen und der Bereitschaft, selbst etwas für den Kiez zu tun. So entstanden drei Arbeitsgruppen, die sich mit den Themen Verkehr, Verschmutzung des öffentlichen Raums und der Planung neuer Kiez-Projekte beschäftigen.
Soldiner Straße/ Wollankstraße
Wedding

Quartiersladen, Koloniestraße 129, 13359 Berlin,
Telefon 49 91 25 41, Fax 49 91 25 40

Quartiersmanagement am
Kottbusser Tor in Kreuzberg:
plötzlich viel in Bewegung

Ingrid Sander und Sylvia Kahle Wir haben das Gefühl, dass wir in ein Wespennest gestochen haben, plötzlich ist hier so viel in Bewegung! Wir arbeiten seit einem Jahr, rund 60 jungen Menschen konnten wir einen Ausbildungsplatz vermitteln. Zusammen mit dem neuen Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft entstehen – auch optisch – neue Perspektiven für das Zentrum Kreuzberg: eine Gründergalerie mit besonders günstigen Konditionen für Selbständige im Dienstleistungsbereich, im Erdgeschoß sind Ladenpassagen geplant. Das zentrale Problem: es gibt nicht genügend vernünftige Arbeitsplätze. Daran können wir zwar nichts Grundlegendes ändern, zumindest aber die Folgeprobleme entschärfen.
Zentrum Kreuzberg
KonTor, Adalbertstraße 96, 10999 Berlin, Aufgang B,
Telefon 612 30 40, Fax 612 20 00

Kerstin Schmiedeknecht Unser größtes Problem sind die hohen Erwartungen von Verwaltung und Bewohnern. Wenn das Überschreiten der Ressortgrenzen konkret wird, stoßen wir sofort auf Empfindlichkeiten und Hindernisse. Wir „managen” dann die kleinen Schritte. Nach einigem Hin und Her gibt es nun zum Beispiel einen Sprachkurs für Frauen aus Palästina, den der arabische Verein Al-Hulleh und die Volkshochschule gemeinsam anbieten.
Schillerpromenade Neukölln
Telefon 621 16 02

Hans-Georg Rennert Unser „Kiezmodell”, mit dem wir uns auf die Straße stellen, ist ein guter Gesprächsaufhänger. Wir haben mit über 200 Bewohnerinnen und Bewohnern über die Stärken und Schwächen des Gebiets geredet und dabei gezielt auch Migrantinnen und Migranten angesprochen. Ein Drittel der Bevölkerung und über 40 Prozent der Kinder hier sind „nichtdeutscher” Herkunft. Mich hat erstaunt, wie viele Menschen den Zustand des öffentlichen Raums beklagen und das Zusammenleben im Kiez ansprechen. Dabei halten sich positive und negative Einschätzungen ungefähr die Waage. Schwierig und langwierig: Anträge vorbereiten, die Absprache unter den verschiedenen Verwaltungen ist verbesserungsfähig.
Sparrplatz/ Wedding
Kommunales Forum, Wiesenstraße 29, 13357 Berlin,
Telefon 46 50 73 55, Fax 462 94 47

Quartiersmanagement am
Boxhagener Platz in
Friedrichshain: alle kritisieren
die Nichtnutzung des
denkmalgeschützten Klos

Erika Hausotter Positiv ist die große Bereitschaft, sich mit dem Wohngebiet auseinanderzusetzen. Als zentrales Problem nennen die Leute Nutzungskonflikte am Boxhagener Platz zwischen Hunden, Kindern, alten Menschen. Mütter, Markthändler, Alkis – sie alle kritisieren, dass das denkmalgeschützte Klo am Platz nicht als solches genutzt werden kann. Man muß die Situation vor Ort und die Bedeutung dieses Platzes für den Kiez kennen, dann ist es gar nicht lächerlich, wenn ich sage: wenn wir einen Betreiber für dieses Klo finden, ist das ein großer Erfolg. Wir sind dabei, Dinge zu verkoppeln, die vorher nebeneinanderher liefen. Viele junge Familien sind zufrieden mit dem Gebiet, ihrer Wohnung, der Nachbarschaft und ziehen trotzdem weg, weil es für ihre Kinder im Schulalter zu gefährlich ist, sich allein auf der Straße zu bewegen. Verkehr ist also nicht nur eine Sache der Auto- und Fahrradfahrer, sondern auch der Kinder.
Boxhagener Platz/ Friedrichshain
Grünberger Straße 84,
Telefon 29 49 25 01